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Phobischer Schwankschwindel (16%)

Symptome

Es bestehen ein Schwankschwindel oder eine Unsicherheit beim Gehen von wenigen Minuten bis mehreren Stunden Dauer. Der Schwindel wird als Benommenheit mit Unsicherheit von Stand und Gang, als attackenartige Fallangst ohne Stürze oder auch lediglich als kurz andauerndes Schwanken ohne äußerlich erkennbare Körperschwankung geschildert. Die Attacken treten oft, jedoch nicht ausschließlich, in Situationen auf, die auch als Auslöser für andere Paniksymptome – Brücken, große Menschenansammlungen etc. - bekannt sind. Meist treten während oder kurz nach der Attacke Herzrasen, vermehrtes Schwitzen, leichtes Zittern oder eine innere Unruhe auf. Typisch ist, dass der Schwindel später auch in Situationen auftritt, die anfänglich noch keine Attacken auslösten. Es kann aber auch ohne erkennbare Auslösesituation ein Schwindel auftreten. Im Gegensatz zu anderen Erkrankungen bessert sich der phobische Schwankschwindel bei körperlicher Aktivität z.B. Sport, aber auch bei Genuss geringer Mengen Alkohol.

Diagnose

Die neurologische Untersuchung und sämtliche Zusatzuntersuchungen sind mit Ausnahme der Untersuchung der Körperschwankungen (siehe „Posturographie“) unauffällig. Der Vergleich mit gesunden Personen ergibt bei dieser Untersuchung in Ruhe ein vermehrtes Schwanken des Körpers. Sobald durch eine Veränderung der Untersuchungsanordnung jedoch höhere Anforderungen an das Gleichgewicht gestellt werden, z.B. durch eine Kippung der Untersuchungsplattform, zeigen die Patienten dieselben Gleichgewichtsreaktionen wie Gesunde. Je schwieriger die Anforderungen an das Gleichgewicht werden, desto „normaler“ sind die Balanceleistungen der Patienten mit phobischem Schwankschwindel. Auch nach Ablenkung verbessert sich die Balanceleistung.

Ursache

Patienten mit phobischem Schwankschwindel leiden unter keiner körperlich bedingten Störung der Gleichgewichtsregulation. Der subjektive Eindruck einer Störung des Gleichgewichts beruht vermutlich auf einer psychisch bedingten übermäßigen Reaktion auf normale kurzzeitige Gleichgewichtsstörungen. Gesunde reagieren auf ein kurzes Ungleichgewicht mit einer unbewussten leichten Korrekturbewegung. Bei Patienten mit phobischem Schwankschwindel sind diese Ausgleichsbewegungen jedoch stärker, als es die Situation erfordern würde. Die hierdurch verursachte „überschießende“ Korrektur der Körperhaltung wird dann als Schwindel oder Gleichgewichtsstörung wahrgenommen. Das zentrale Problem des phobischen Schwankschwindels ist der Versuch des Patienten, sein Gleichgewicht „bewusst zu kontrollieren“. Hierdurch wird eine „Selbstbeobachtungsspirale“ in Gang gesetzt, welche dazu führt, dass die bewusst herbeigeführten Korrekturen der eigenen Körperhaltung als scheinbar von außen verursacht wahrgenommen werden (siehe hierzu Therapie). Falls im Anschluss an eine zunächst körperlich verursachte Erkrankung des Gleichgewichts der Schwindel länger als üblich andauert, sollte ein Übergang in einen phobischen Attackenschwindel in Betracht gezogen werden. Neben einer unüblich langen Erkrankungsdauer sollte auch eine Veränderung der Art der Beschwerden Anlass geben, einen phobischen Attackenschwindel als unabhängige Folgeerkrankung in Erwägung zu ziehen.

Therapie und Verlauf

Grundlage der Behandlung des phobischen Attackenschwindels ist zunächst eine ausführliche neurologische Untersuchung zum Ausschluss einer organischen Erkrankung. Erst dann sollte die psychische Ursache der Beschwerden angesprochen und eine Therapie erörtert werden. Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung ist die Erkenntnis, dass das Bemühen um eine willentliche Kontrolle des Gleichgewichts zu einer vermehrten Selbstbeobachtung führt (siehe Ursachen). Zunächst kann eine Empfehlung für regelmäßige sportliche Aktivitäten zum „Training“ des Gleichgewichts gegeben werden. Das regelmäßige Training führt zu einer schrittweisen Desensibilisierung und wird unterstützend auch zur Linderung der Schwindelsymptomatik eingesetzt. Diese Maßnahme kann bei Bedarf durch Medikamente, welche bei ähnlichen psychischen Erkrankungen (z.B.Panikstörung) Anwendung finden, begleitet werden.

Sollte sich im Rahmen dieser Maßnahmen nach mehreren Monaten keine Besserung einstellen, kann zusätzlich eine verhaltenstherapeutisch ausgerichtete Gesprächstherapie begonnen werden. Mit einer kombinierten medikamentös-gesprächstherapeutischen Therapie lässt sich bei 70 % der Patienten eine Rückbildung der Beschwerden oder zumindest eine deutliche Besserung erzielen.