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Die Symptome

Benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel (19%)

Der benigne paroxysmale Lagerungsschwindel ist der häufigste episodische Schwindel. Es besteht ein Drehschwindel von etwa 15-60 Sek. Dauer, welcher häufig durch Drehung des Kopfes zur betroffenen Seite ausgelöst wird. Schwindel kann auch beim Heben des Kopfes, beim Aufstehen oder Umdrehen im Bett auftreten. In Ruhe liegen keine Beschwerden vor. Ein Ohrgeräusch oder eine Hörminderung treten nicht auf.

Phobischer Schwankschwindel (16%)

Es bestehen ein Schwankschwindel oder eine Unsicherheit beim Gehen von wenigen Minuten bis mehreren Stunden Dauer. Der Schwindel wird als Benommenheit mit Unsicherheit von Stand und Gang, als attackenartige Fallangst ohne Stürze oder auch lediglich als kurz andauernde Körperschwankung ohne äußerlich erkennbare Körperschwankung geschildert. Die Attacken treten oft, jedoch nicht ausschließlich, in Situationen auf, die auch als Auslöser für andere Paniksymptome – Brücken, große Menschenansammlungen etc. - bekannt sind. Meist treten während oder kurz nach der Attacke Herzrasen, vermehrtes Schwitzen, leichtes Zittern oder eine innere Unruhe auf. Typisch ist, dass der Schwindel später auch in Situationen auftritt, die anfänglich noch keine Attacken auslösten. Es kann aber auch ohne erkennbare Auslösesituation ein Schwindel auftreten. Im Gegensatz zu anderen Erkrankungen bessert sich der phobische Schwankschwindel bei körperlicher Aktivität z.B. Sport, aber auch bei Genuss geringer Mengen Alkohol.

Zentral-vestibulärer Schwindel (13%)

Schwindelattacken, die von einer Durchblutungsstörung des Gehirns verursacht werden, dauern wenige Minuten bis mehrere Stunden an. Häufig bestehen zusammen mit den Schwindelattacken andere Symptome, welche auf eine Durchblutungsstörung des Gehirns hinweisen. Hierzu zählen Sehstörungen, Stürze bei erhaltenem Bewusstsein, Koordinationsstörungen der Hände, eine Gangunsicherheit, eine Gefühlsstörung im Bereich des Gesichts, Doppelbilder, Sprachstörungen sowie selten ein Ohrgeräusch oder eine Hörminderung.

Schwindel aufgrund einer Durchblutungsstörung des Gehirns kann einen Schlaganfall zur Folge haben. Daher müssen bei Schwindel in Verbindung mit den dargestellten Beschwerden Durchblutungsstörungen des Gehirns in Betracht gezogen werden.

Vestibuläre Migräne (9%)

Schwindel tritt bei einer vestibulären Migräne in sehr unterschiedlicher Art auf. Es können ein Drehschwindel, ein Schwankschwindel oder nur eine Gangunsicherheit bestehen. Die Dauer der einzelnen Attacken schwankt zwischen wenigen Minuten und über 24 Stunden, in der Mehrzahl der Fälle jedoch weniger als 1 Stunde.

Sehr typisch für eine vestibuläre Migräne ist, dass in zeitlichem Zusammenhang mit den Schwindelattacken zusätzliche Beschwerden vorliegen, die so auch bei einer Migräneattacke beobachtet werden. Hierzu zählt die Verstärkung der Symptome bei Bewegung sowie in lauter oder heller Umgebung. Während der Schwindelattacken kann eine Unverträglichkeit für bestimmte Gerüche vorliegen. Bei Frauen können die Schwindelattacken im zeitlichen Zusammenhang mit ihrer Periode bestehen. Auch ein Ohrgeräusch kann zusammen mit dem Schwindel auftreten. In etwa 60 % der Fälle gehen dem Schwindel Kopfschmerzen oder ein Kopfdruck voraus, begleiten ihn oder treten danach auf. Die Kopfschmerzen weisen häufig nicht den bei einer Migräne typischen Schwerpunkt an der Schläfe in Verbindung mit einem starken Pulsieren auf. Nicht selten besteht nur ein Kopfdruck oder eine einem Spannungskopfschmerz vergleichbare Symptomatik. Vereinzelt besteht kein zeitlicher Zusammenhang zwischen den Schwindelattacken und den Kopfschmerzen. In etwa 40% der Fälle fehlt ein Kopfschmerz völlig.

Morbus Menière (8%)

Minuten bis Stunden andauernde Drehschwindelattacken treten ohne erkennbaren Anlass in Abständen von Monaten bis Jahren auf. Häufig wird zur selben Zeit ein Ohrgeräusch, eine Hörminderung oder ein Druckgefühl am Gehörgang bemerkt. Zu Beginn der Erkrankung treten diese „typischen“ Beschwerden nicht alle gleichzeitig auf und bilden sich in der Regel vollständig zurück. Die Erkrankung tritt zunächst nur auf einem Ohr auf. Ohne Behandlung folgen in Abständen von Monaten bis Jahren mehrere Schwindelattacken. Über Zeiträume von 5-10 Jahren entwickeln sich dann eine bleibende Hörminderung und ein Dauerschwindel mit Gangunsicherheit. Nach Jahren werden während der Attacken dann oft nur noch eine Verstärkung des ständig vorhandenen Ohrgeräuschs, der Hörminderung oder des chronischen Schwindels wahrgenommen.

Nach etwa 10 Jahren nimmt die Häufigkeit der Schwindelattacken auf der betroffenen Seite ab. Ohne Behandlung treten in 35 % der Fälle später auf der gesunden Seite dieselben Symptome auf.

Neuropathia vestibularis (8%)

Es bestehen über einen Zeitraum von mehreren Tagen ein akuter Drehschwindel in Verbindung mit sehr heftiger Übelkeit, Erbrechen und starkem Krankheitsgefühl. Teilweise treten wenige Tage vor den akuten Beschwerden kurzzeitige Drehschwindel- oder Schwankschwindelattacken auf. Die Beschwerden zeigen sich in abgeschwächter Form auch in Ruhe und gehen mit einer scheinbaren Bewegung der Umgebung (Oszillopsie) einher. Der Schwindel verstärkt sich bei Bewegung, so dass eine ruhige Körperhaltung eingenommen wird. Die Gleichgewichtsstörung führt zu einer Fallneigung zur betroffenen Seite. Ein Ohrgeräusch oder eine Hörminderung liegen nicht vor. Der Schwindel bessert sich nach einigen Tagen meist deutlich. Über einen Zeitraum von mehreren Wochen besteht vorzugsweise beim Gehen oder Bücken eine deutliche Gleichgewichtsstörung.

Bilaterale Vestibulopathie (5%)

Beim Gehen oder bei Kopfbewegungen bestehen eine Unschärfe des Sehens oder eine scheinbare kurze Bewegung der Umgebung. Dies führt häufig zu einer Beeinträchtigung beim Lesen von Straßenschildern oder beim Erkennen von Gesichtern. In Ruhe liegen keine Symptome vor. Die Beschwerden werden nicht selten als Gangunsicherheit oder Benommenheit geschildert.

Die Gangunsicherheit nimmt typischerweise im Dunkeln oder auf unebenem Untergrund zu. Meist besteht zu Beginn der Erkrankung auch ein Minuten bis Tage anhaltender Dreh- oder Schwankschwindel.

Vestibularisparoxysmie (3%)

Die Schwindelattacken dauern in der Regel nur Sekunden bis wenige Minuten an. Es können sowohl ein Drehschwindel als auch ein Schwankschwindel auftreten. Ein Ohrgeräusch oder eine Hörminderung besteht zeitgleich nur in wenigen Fällen. Die Attacken können teilweise in Abhängigkeit von einer bestimmten Haltung des Kopfes oder durch eine rasche und zu tiefe Atmung (Hyperventilation) ausgelöst werden.

Perilymphfistel (1%)

Durch Husten, Pressen, Druckunterschiede (Aufzug fahren, Flugreise) oder durch laute Geräusche ausgelöste Schwindelattacken sollten Anlass geben, eine Perilymphfistel in Betracht zu ziehen. Die Schwindelattacken treten meist nur für die Dauer des Reizes, d.h. für wenige Sekunden bis Minuten, auf. Sie können jedoch auch ohne auslösenden Reiz entstehen und über mehrere Stunden bis Tage andauern.

Die Erkrankung kann darüber hinaus zu Hörstörungen, entweder in Form einer Hörminderung oder einem Ohrgeräusch, führen. Schwindel und Hörstörungen können in einem sehr variablen Umfang alleine oder in Kombination auftreten. Relativ charakteristisch ist das erstmalige Auftreten der Erkrankung im Anschluss an eine Verletzung des Ohrs, des Schädels oder an eine anstrengende körperliche Tätigkeit (z.B. Heben eines schweren Gegenstandes).

Schwindel und Halswirbelsäule

Patienten mit einem von der Halswirbelsäule verursachten „zervikogenen“ Schwindel leiden meist nicht unter einem Drehschwindel, sondern schildern einen Schwankschwindel oder eine Gangunsicherheit. Die Beschwerden nehmen häufig bei Bewegung oder nach längerer Zwangshaltung zu und sind oft mit Nackenschmerzen verknüpft. Sie dauern Minuten bis mehrere Stunden an. Andere Beschwerden wie Hörstörungen oder Sehstörungen sollten bei einem zervikogenen Schwindel nicht vorliegen.

Vestibuläre Epilepsie

Eine Epilepsie als Ursache von Schwindelattacken ist sicherlich sehr selten. Bei der Frage, ob eine Epilepsie Ursache von Schwindelattacken sein könnte, ist zu bedenken, dass Patienten mit einer anderen Art von Epilepsie häufig zu Beginn eines Anfalls eine Bewegung des eigenen Körpers oder der Umgebung verspüren. Dieser „Schwindel“ ist jedoch in der Regel nur ein Teil einer sehr komplexen Symptomatik und nicht, wie bei der vestibulären Epilepsie, einziges Symptom des Anfallsleidens.